Blogtour „Die Löffel-Liste“ Tag 6

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Hallo ihr Lieben und herzlich Willkommen zum sechsten Tag der Blogtour zu „Die Löffel-Liste“. Ich hoffe sehr, dass euch die bisherigen Beiträge gut gefallen haben und wir euch auf dieses tolle und etwas andere Buch neugierig machen konnten. Heute werde ich mich mit den Geschichten in diesem Buch befassen, die mit dem Thema „Gerechtigkeit“ zu tun haben.

Fortmachen von Maryanne Becker

Die Autorin: Maryanne Becker, geboren und aufgewachsen in Ostbelgien, lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Berlin. Neben Sach- bzw. Fachbüchern zum Thema Hörschädigung schreibt sie Romane, die in der belgisch-deutschen Grenzregion spielen und auf den Zeitraum 1914 bis 1960 fokussieren. Darüber hinaus ist sie in einigen Anthologien mit Kurzgeschichten präsent.       

Leseprobe:

Fortmachen

„Fortmachen, wir müssen fortmachen“, brabbelte Großvater auf seinem dreibeinigen Schemel nehmen dem Ofen. Von der Notwendigkeit, endlich hier fortzumachen, war seit Jahren die Rede, und in letzter Zeit legte Großvater mehr Nachdruck auf seine Worte, indem er mit dem Fuß auf den lehmigen Boden unserer Behausung stampfte.

„Du musst hier fortmachen, sobald die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind“, waren Mutters letzte Worte, bevor sie im dreizehnten Kindbett ihr von Arbeit und Schwangerschaften geschwächtes Leben aushauchte. Außer mir hatten zwei Brüder das Kleinkindalter überlebt und ich war froh, nicht noch mehr Kletten mitschleppen und unnütze Esser ernähren zu müssen.

Ebenso wie die anderen Bewohner unseres kleinen Weilers, der ob seiner Bedeutungslosigkeit die Bezeichnung Schtetl nicht verdiente, war Vater ein mittelloser Handwerker, dessen Aufträge und Einkünfte vom Wohlergehen der anderen Dörfler abhingen. Als Mutter noch lebte, gab es Bier und Schnaps am Sonntag, seit ihrem Dahinscheiden aßen wir sonntags Kartoffeln.

Fortmachen, fortmachen, das war mein Ziel von klein auf, und ich war gewillt, alles daran zu setzen, von einem der feinen Herren, die hin und wieder unseren Ort aufsuchten, entdeckt zu werden. In die weite Welt hinaus wollte ich. Als feine Dame eines feinen Herren. Die hübschesten und kräftigsten Mädchen aus dem Ort wurden auserwählt, um – wie es hieß – in der Ferne ein besseres Leben zu beginnen. Die Wehklagen der verlassenen Mütter bezeichneten die Zurückgebliebenen als Käseschmus, sinnloses Gerede.

Alte Sünden von Marlene Geselle

Die Autorin: Marlene Geselle liebt neben der Landschaftsfotographie das Schreiben von historischen Romanen und Kurzkrimis. Spielen bei Ersteren die Menschen in ihrer Zeit und ihre vielfältigen Schicksalen die Hauptrolle, glänzt sie bei Letzteren durch scharfe Augen und gelungene Protagonisten, die so überzeichnet sind, dass sie uns fast schon wieder real vorkommen. In ihrem Debütroman geht es an die obere Donau und in jene Alemannensiedlung, aus der das heutige Sigmaringen hervorgegangen ist. Im Winter des Jahres 451 n. Chr. gibt es nur ein Thema: Attilas Heer auf dem Durchmarsch nach Gallien.

Leseprobe:

Alte Sünden

Ich sollte nicht hier sein auf der Krebsstation, niemand sollte hier sein. Aber ich bin es nun einmal und muss sehen, wie ich meine letzten Wochen nutze. Bitte bedauert mich nicht, davon habe ich nichts.

Auf dem Flur ist es still. Zu dieser nachtschlafenden Stunde döst selbst die Krankenschwester ein wenig, warum auch nicht. Schichtdienst ist scheiße und verschleißt den Menschen. Aber ich will jetzt nicht von kaputter Gesundheit reden, von harten Jobs und davon, welche Fehler man besser andere machen lässt. Da bin ich kein guter Ratgeber.

Fehler. Mein schlimmster Fehler liegt mehr als zwanzig Jahre zurück und zeigt noch heute Wirkung. Natürlich nicht direkt, aber indirekte Wirkungen sind die wirklich miesen. Und sie treffen diejenigen, die wir am meisten lieben, am meisten schützen müssen.

Mein Bettnachbar schläft den Schlaf der Gerechten, wenn man das sagen kann bei der Menge Morphium, die regelmäßig in seinem Tropf landet. Tagsüber ist er nur noch stundenweise klar im Kopf. Ich muss mich zwingen, nicht ausgerechnet jetzt darüber nachzudenken.

Meine Meinung

Wir haben hier zwei ganz verschiedene Geschichten, in denen es aber um das gleiche Grundthema geht: Gerechtigkeit. In der ersten Geschichte geht es um ein junges Mädchen, dass aus seinem traurigen und armen Dasein auszubrechen versucht, was jedoch nicht so klappt, wie sie es sich vorstellt, ich möchte aber nicht zu viel verraten. Sie kommt in eine weitere schwierige Lage, doch kann sich mit der Hilfe von einer eigentlichen Straftat gegen ihren Peiniger helfen, was ihre Art von Gerechtigkeit ist. Dies sollte man auf jeden Fall immer beachten, Gerechtigkeit ist oft subjektiv, jeder hat ein anderes Empfinden dafür und etwas, dass für den einen gerecht ist bedeutet noch lange nicht, dass es auch für andere gerecht ist.

In der zweiten Geschichte geht es um einen krebskranken Mann, der ebenfalls sehr ungerecht behandelt wird/wurde und auch versucht er, gerecht zu sein und doch auf eine gewisse Art und Weise „Rache“ zu nehmen, doch tut er dies alles aus einem eigentlich guten Grund. Diese Geschichte ist in meinen Augen ein wenig kontrovers im Hinblick auf Gerechtigkeit, da ich den Mann durchaus sehr gut verstehen kann, dennoch sind seine Mittel vielleicht nicht gerade die Richtigen.

Beide Geschichten haben mir sehr gut gefallen und ich kann euch nur empfehlen, sie zu lesen, aber natürlich auch das Buch im Ganzen. Wichtig ist, alle Geschichten auch einmal zu hinterfragen, gerade diese beiden Geschichten sollte man von allen Seiten betrachten, da, wie ich bereits sagte, Gerechtigkeit oft subjektiv ist und nicht jeder alles genauso sieht.

Gewinnspiel:

Natürlich müsst ihr auch bei dieser Blogtour wieder eine Frage beantworten. Die Frage für meinen Beitrag lautet:

Wie wichtig ist euch Gerechtigkeit und wie wahrt ihr sie?

Die Gewinne:

1. Preis – 2 x 1 Print von der Löffel-Liste

2. Preis – 1 Print von Fasanthiola von Ursula Dittmer + kleine Überraschung

3. Preis – 1 Print der Fantasy-Anthologie „Der Laubkönig erzählt“ von Sinje Blumenstein + kleine Überraschung Klänge aus dem Schneckenhaus

 4. Preis – 1 Hörbuch von Maryanne Becker – Klänge aus dem Schneckenhaus

 5. Preis – Kaffeebecher mit dem Logo der Krimianthologie der „Mörderische Schwestern: Nix zu verlieren“

Teilnahmebedingungen

  • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
  • Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
  • Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel wird von CP – Ideenwelt organisiert.
  • Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
  • Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei CP-Ideenwelt melden, rückt ein neuer Gewinner nach und man hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
  • Das Gewinnspiel endet am 26.7.2016 um 23:59 Uhr.

 

 

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5 Kommentare zu „Blogtour „Die Löffel-Liste“ Tag 6

  1. Gerechtigkeit sollte immer herrschen erst recht auch von anfang an in der Familie- denn im kindergarten geht es doch denn erst so richtig zur Sache, spreche da aus eigenen Erfahrungen und von denen meiner tochter!
    Mann sollte sich nichts im leben gefallen lassen und immer gegen kämpfen und beweisen wie es zu was kahm wenn man zu unrecht angezeigt wird. Gerechtigkeit sollte eine gute Grundlage zum gemeinsamen friedlichen Leben sein. VLG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

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  2. Hallo und guten Tag,

    Gerechtigkeit ist eine durchaus schwierige Sache und liegt wie so andere auch in unserer Welt im Auge des Betrachters bzw. der damit verbunden/beteiligen Personen.

    Der Eine wird eine mal gefällte Endscheidung als gerecht an sehen, der andere fühlt sich dadurch in seinem Leben/Lebenseinstellung benachteiligt also als ungerecht behandelt.

    Ein kleines Beispiel…in Indien…Menschen, die in hohen Kasten leben und ein gutes Leben führen dürfen werden solch eine Einteilung sicherlich als gerecht und normal ansehen…Personen in niederen Kasten…gerade in unserer heutigen Zeit gesehen…werden sich dadurch ungerecht und in ihrem Leben eingeschränkt fühlen.

    Deshalb sollte man selber versuchen und versuchen schreibe ich hier ganz bewusst!!

    In seinem persönlich Bereich mit seinen Freunden, Familie und Umfeld gerecht umzugehen..was wahrscheinlich auch nicht immer gelingt, denn hier spielt auch viel das Gefühl das man für den anderen empfindet eine Rolle. Jemand den man nicht mag, egal was welchem Grund auch immer kommt nie so gut weg, wie jemand den man gut leiden kann oder?

    Und so ist Gerechtigkeit eine durchaus nicht leicht zu händelte Angelegenheit. Weil hier Gefühle eine starke Rolle spielen….

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  3. Hallo und danke für den Beitrag und die Leseprobe.
    Gerechtigkeit ist für mich sehr wichtig. Ich selbst versuche auch immer mein bestes, Gerechtigkeit zu wahren.
    LG
    Anni

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  4. Hallo,
    vielen dank für deinen tollen Beitrag.
    Gerechtigkeit ist mir, wie sicherlich auch jedem anderen sehr wichtig, immerhin ist es etwas, dass das menschliche Zusammenleben(in Frieden) überhaupt möglich macht. Gerechtigkeit ist etwas, dass immer im Auge des Betrachters liegt und somit auch mit der Einstellung der einzelnen Person zusammenhängt. Ich wahre meinen Gerechtigkeitssinn also damit, indem ich einfach meine Einstellung beibehalte und einfach ich bin(wenn ich mich verändern würde, könnte sich auch meine Einstellung der Gerechtigkeit gegenüber ändern). Das kommt aber halt wirklich immer ganz drauf an,da jeder etwas anderes darunter versteht und Gerechtigkeit somit für jeden etwas anderes ist(also in einzelnen Situationen). Obwohl ich sogar finde, dass man Gerechtigkeit gar nicht wahren muss, da dieser Gerechtigkeitssinn immer da ist, egal in welcher Form er sich ausdrückt.
    LG Sarah

    Gefällt 1 Person

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